Kapitel 14


von Molo
veröffentlicht am 06. Jul 2017 17:34

Ich drehte völlig durch. Ich verlor vollkommen die Kontrolle. Wenn ich genug Rauch, THC und Alkohol im Kopf hatte, fanden immerhin die Gedanken an dich keinen Weg sich durchzusetzen. Du hattest keine Ahnung, wie sehr du mir fehltest, wir hatten uns auch schon monatelang nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich dachtest du in all der Zeit nicht eine winzige Sekunde an mich, hast die Nachrichten wegen meiner verpassten Anrufe schon gelöscht, bevor du richtig drüber nachdenken musstest. Ich war vermutlich nur wie ein nerviger Kopfschmerz für dich, der sich etragen ließe, wenn man einfach an etwas anderes denkt und sich auf keinen Fall darauf konzentrierte.
Auch in der Schule hatte ich nicht gerade die Kontrolle über mich selbst, was man deutlich an meinen Noten ablesen konnte. Mir war alles so verdammt egal, was war schon eine schlechte Note im Vergleich zu dem, was mir wirklich fehlte und Sorgen machte? Und was war schon eine disziplinarische Verwarnung von der Schulleitung, es mir viel mehr Angst machte, dich nie wieder zu sehen, als wieder woanders untergebracht zu werden? Nichts in meinem Leben erschien mir wichtig genug, um mich darauf zu konzentrieren, nichts hatte so wirklich einen Wert, weder meine Zunkunft, noch mein Körper, nicht einmal meine Famile. Du warst mein Ziel, alles was ich haben und erreichten musste und auch wenn es noch so erbärmlich war, ich gab die Hoffnung einfach nicht auf, dass du mich eines Tages auch lieben würdest. Irgendwann würdest du erkennen, dass du nie wieder in diesem Leben auf eine Person triffst, die dich so liebte wie ich, niemand könnte das jemals so wie ich.
Disziplinarische Ermahnungen, gefolgt von Verwarnungen, ich klopfte dem nächsten Schulverweis schon an der Tür und er bat mich höflich herein. Meine Mutter weinte und schrie, wechselte sich damit ab mich anzubrüllen, ich mache mein Leben kaputt und mich anzubetteln ich solle mich endlich benehmen in der Schule. Aber ich konnte nicht. Ich war dort wer, man mochte mich, was mir wichtig war, auch wenn ich selbst kaum einen Menschen auf dieser Welt leiden konnte. Doch es gab Orte, an denen ich weniger gern sein wollte, als in Stuttgart auf einer Mädchenschule. Psychiatrie und Heim. Heim, das war meine letzte Station und sollte meine nächste sein, wenn ich wieder versagen sollte.


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