Kapitel 15


von Molo
veröffentlicht am 15. Aug 2017 14:50

Draußen wirkte alles tot, wie ausgestorben. Ich saß wieder mal auf der Fensterbank in meinem Zimmer und starrte auf die Bäume am Horizont, während ich mir mit einem Streichholz eine Zigarette anzündete, die ich von meiner Mutter geklaut hatte. Oft schaute ich ganze Abende lang in den Himmel und wenn Sterne zu sehen waren, stellte ich mir vor, wie nah du eigentlich warst. Ich dachte, wenn du in diesem Moment auch nach oben schauen würdest, würden sich unsere Blicke schneiden oder sich sogar irgendwo treffen. Manchmal war ich sogar glücklich, weil ich mich daran erinnerte, wie du mich früher mal genannt hast, als wir uns kennenlernten. "Mein kleiner Stern" hast du mich genannt, ich verliebte mich in jedes Wort von dir, in jede Silbe, die du sprachst. Und nun saß ich da und alles was ich hatte waren Träume, Vorstellungen und Fantasien, wie du auch an deinem Fenster stehen würdest und dein Blick meinen kreuzt.

Meine Hände schwitzen mein Handy voll, wie jedes Mal, wenn ich kurz davor war dich wieder anzurufen. Du würdest nicht rangehen und weil ich so dumm war trotzdem jedes Mal einen kleinen Funken Hoffnung zu haben, war es wieder und wieder ein erneuter mächtiger Schlag in den Magen, wenn ich das "Hallo" deiner Mailbox hörte. Bevor ich vorsichtig die Taste mit dem grünen Hörer drückte, setzte ich mein schönstes Lächeln auf. Ich wollte nicht, dass du hörst wie traurig du mich machtest, ich wollte, dass ich mich schön anhöre, wenn du rangehst. Was allerdings nie passierte. Bis heute. Als du "Hallo" sagtest. Zu mir. Der Druck einer riesen Lawine lag mir auf der Brust, mein Atem stoppte und es fühlte sich so an, als bliebe mein Herz stehen. Deine Stimme raste einmal durch meinen Körper und schoß mir in Form von Tränen wieder aus den Augen. Monatelang hab ich Szenarien geprobt, was ich alles sagen würde, wenn du eines Tages wieder mit mir sprechen würdest, kleine Schauspiele in meinem Zimmer, in denen ich dir alles erklären würde und dir beschreiben würde, was du mir bedeutest. Aber als wäre mein Kopf wie leergefegt, antwortete ich nur mit "Mike?". Mike - in einer Frage formuliert, mehr viel mir nicht ein. Ich zwickte mir in den Oberschenkel, als Strafe, für diese Reaktion. Als müsste ich erst fragen, ob du es bist, natürlich warst du es, niemand klang so schön wie du. "Du weißt, wer ich bin, oder?", fragte ich dich mit tausend amoklaufenden Schmetterlingen im Bauch. Du antwortetest so selbstverständlich, so fest entschlossen, so ehrlich. Ich grinste so breit, dass mir die Wangen mehr schmerzten als meine Nägel, die in meine Haut am Oberschenkel krallten. Du hattest mich nicht vergessen, du wusstest wer ich bin und du hast mit mir gesprochen. Glücklich und all die passenden Synonyme beschrieben, was ich fühlte, du warst mir so nah. Ich dachte an aufgeben aber dein "Hallo" hat alles geändert, wir zwei für immer, Engel.

 


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