Kapitel 2


von Molo
veröffentlicht am 04. Jul 2017 20:56

Sie sagten, ich würde Hilfe brauchen, ich wusste was sie meinten. Ich wusste genau, wohin sie mich bringen würden. Meine Eltern stiegen schweigend in unser Auto, ich folgte. Als wir losfuhren und ich einen letzten Blick auf dieses wunderschöne Internat warf, kamen mir die Tränen, aber mein nächster Gedanke warst du, ich schaute aus dem Fenster und dachte nur an dich. Psychiatrie, nun waren wir da. Meine Eltern setzten mich und meine Koffer ab und fuhren weg, lange noch schaute ich ihnen hinterher, bis sie am Horizont verschwanden. Das Gebäude war ein großer weißer Kasten. Über der Eingangstür stand in großen bunten Buchstaben "TIME OUT". Ich wollte hier nicht bleiben, ich wollte zu dir.

Eine alte Ärztin mit weißem Kittel und eine junge Dame mit roten Haaren sagten ich solle mit ihnen kommen. Bevor ich mich weigern konnte, nahm die Rothaarige meinen Koffer und trug ihn Richtung Eingangstür. Als die Tür hinter mir und der Ärztin zufiel, fühlte es sich an, als würde mich dieser Gang in dem wir standen auffressen wollen, was für ein trauriger uns hasserfüllter Ort. Ich saß auf einem der vielen Stühlen in diesem schrecklich bunten Zimmer mit viel zu vielen Pflanzen drin. Warum ich das tat, fragte mich die alte Ärztin, während mich die junge Frau bemitleidend anschaute. Warum ich das tat? Warum glaubte sie, dass sie das verstehen würde? Ich hätte ihr alles erzählen können, von dir, wie wunderschön du bist, wie sehr du mich verletzt hast und wie sehr ich dich liebte, dass ich am liebsten rausrennen würde, direkt zu dir. Aber ich wusste, keiner würde jemals verstehen wie ich fühlte, also biss ich mir auf die Zähne und starte schweigend Löcher in den Boden. Nachdem sie sich irgendwas notierte, sollte ich den beiden folgen, sie würden mir mein Zimmer zeigen.

Eine bestimmt 15cm dicke Tür öffnete sich und wir traten ein in ein Zimmer, welches hässlicher war als die Gänge dieses Hauses. Hier waren ein Bett, ein alter Schreibtisch, ein völlig verkommener Schrank und ein Waschbecken. Hier sollte ich bleiben? Der Kloß in meinem Hals wurde so dick, dass ich dachte ich müsse ersticken, tonnenschwere Tränen rasten an meinen Backen entlang und knallten auf den alten Teppichboden.

Der weiße Kittel sagte mir mit monotoner Stimme, dass sie ab jetzt meine Ärztin sei, verließ das Zimmer, drehte noch einmal um und stellte mir meine Betreuerin Lena vor, die junge rothaarige Dame, welche mich immer noch bemitleidend anschaute. Sie erklärte mir, dass ich hier im Krisenzimmer sei, wo ich vorerst bleiben sollte, die anderen Kinder sollte ich die nächsten Tage kennenlernen. Die nächsten Tage? Wovon redete sie? Meine Eltern würden mich spätestens morgen Abend holen, sagte ich ihr mit zitternder Stimme. Lena strich mir kurz über die Schulter und verließ den Raum. Mit einem Schlag fiel mir die Decke, nein, der gesamte Himmel und seine Kraft über dem Kopf zusammen.


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